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Pressestimmen 2009

Märkische Allgemeine (Margitta Schirge 16.9.2009)

KULTUR: „Der Bär“ in der Kirche

Aufführung am Sonntag war Publikumsmagnet

 

GADOW - „Theater in der Kirche“ heißt ein Verein, der sich seit einigen Jahren die Aufführungen von Schauspielklassikern in märkischen Kirchen auf die Fahnen geschrieben hat. Zu den festen Veranstaltungsorten zählt die Gadower Kirche. Anlässlich des „Tages des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag konnten sich dort die zahlreich erschienenen Besucher wieder einmal davon überzeugen, dass sich der überaus große Kirchenraum durchaus auch zum Theaterraum umfunktionieren lässt. Veranstalter war wie immer der Förderverein der Kirche, welcher mit den Spendeneinnahmen die Wiederinstandsetzung der Dorfkirche weiter voranbringen möchte. Auf dem Programm stand diesmal „Der Bär“ von Anton Tschechow. Bei diesem Einakter handelt es sich um eines der bekanntesten Stücke des russischen Schriftstellers, dem damit ein Schwank gelungen ist, der den Nerv einer krisengeschüttelten Zeit trifft. Ob es nun Krisen wirtschaftlicher oder persönlicher Art sind, sie werden verdrängt, wenn die Liebe machtvoll auf den Plan tritt.

 

In Tschechows „Der Bär“ sitzt dem Gutsbesitzer Smirnow, dargestellt durch André Rauscher, die Bank im Nacken. Bei dem Versuch, ihm zustehende Gelder einzutreiben, stößt er auch auf die Witwe des verstorbenen Gutsbesitzers Popow, der bei ihm noch Schulden hat. Doch er hat anscheinend wenig Glück. Die hartnäckige Witwe (Elena Brückner) kann und will nicht zahlen. Anstatt auf Geld trifft er bei ihr auf Kampfbereitschaft. Doch schließlich erkennen sich beide als ebenbürtige Partner, und so vereint am Ende des Stücks beide Widersacher eine gemeinsame große Leidenschaft.

 

Im Kampf ums eigene Überleben wird oft das eigentliche Leben vergessen. Tschechows Schwank zeigt auf heitere Art, wie hinter der Liebe auch die dringendsten Geschäfte zurücktreten müssen – und diese Rangordnung lässt hoffen.

 

Dies war die freudige Botschaft des kleinen Wandertheaters, das damit in Gadow wieder einmal das Anliegen verwirklichte, im dörflichen Bereich klassisches Theater verständlich und hautnah erlebbar zu machen. Die Resonanz beim örtlichen Publikum gab Veranstaltern und Akteuren Recht, wie man in Gadow nun schon zum fünften Mal erleben konnte. Die Schauspielertruppe unter künstlerischer Leitung und Regie von Heidi Walier ist hier inzwischen bereits persönlich bekannt und wurde zum Schluss der Vorstellung mit herzlichem Beifall und mit Honigpräsenten als Dankeschön bedacht, bevor sich alle – Akteure, Veranstalter und Publikum – gemeinsam am großen Kuchenbasar mit Kaffeetafel wieder zusammenfanden. Von den 680 Euro Einnahmen durch die Vorstellung verblieben 330 Euro für die Erhaltungsarbeiten an der Gadower Kirche dem dortigen Förderverein.

 

Märkische Allgemeine 16.9.2009, Margitta Schirge