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Pressestimmen 2003

Märkischer Sonntag (jko)

Eingebildeter Kranker in Russischer Kirche

[Nichte von OB Patzelt spielt Sonntag, 16 Uhr]

Die dritte Veranstaltung von "Sommer 2003 in der Heilandskapelle" geht im wahrsten Sinne des Wortes Pfingssonntag, 16 Uhr, in der Russischen Kirche am Klingetaler Eichenweg über die Bühne.

Das Berliner "Atelier Startbrett" zeigt Molières "Der eingebildete Kranke". Das "Atelier" um Chefin Heidi Walier bietet jungen Schauspielern während ihrer Ausbildung die Möglichkeit, sich mit besonderer Vorbereitung schon einem breiten Publikum zu präsentieren.

Unter den Schauspielern, die in der Heilandskapelle spielen, ist auch Judith Maria Patzelt, die Nichte des Oberbürgermeisters. Sie spielt Toinette - die Gouvernante, Faktotum, Hausdrache und Perle in einer Person ist.

Der Eintritt ist kostenlos. Um eine Spende für die Sanierung der wunderschönen Kirche wird aber gebeten.

 

Märkische Oderzeitung (Frank Kaiser)

Hypochonder vorm Altar

[Molières eingebildeter Kranker begeistert Publikum in Heilandskapelle]

Die Bretter, die für sie die Welt bedeuten, standen für ein halbes Dutzend junger Schauspieler zu Pfingsten in einer für sie ungewohnten Umgebung, in der Heilandskapelle im Frankfurter Klingetal.

Im Altarraum, der gleichzeitig Kulisse war, brachten sie Molières eingebildeten Kranken auf die Bühne. Die Geschichte des Argan, der seine Tochter Angélique statt mit ihrem geliebten Cléante lieber mit dem Sohn seines Leibarztes verheiraten will, um immer einen Doktor in der Familie und damit immer zur Hand zu haben und der Toinette, die als Gouvernante, Hausdrache und Faktotum dafür sorgt, dass am Ende zueinander findet, was zusammengehört.

Die Vorstellung, die die Nachwuchsschauspieler in der fast voll besetzten Holzkirche abgaben, war erfrischend. Besonders überzeugend spielte Judith Maria Patzelt in der tragenden Rolle der Toinette, der der quengelnde Hypochonder Argan (herrlich eingebildet: Gernot Ernst) nicht nur in den Schimpfduellen hoffnungslos unterlegen war.

Das Gefühl, als Nichte des Frankfurter OB Martin Patzelt unter besonderer Beobachtung des Publikums zu stehen, hatte Judith Maria Patzelt verdrängt. Spätestens auf der Bühne spielte das keine Rolle mehr. "In einer Kirche aufzutreten, war für mich eine Premiere. Als Katholikin ist sie für mich aber auch ein Stück zu Hause", sagte die 21-jährige Berlinerin nach der Vorstellung, die für sie wie ihre Kollegen eine gute Möglichkeit ist, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.

Schauspielerin ist ihre Berufung, den ersten Anlauf an die Berliner Hochschule für Schauspielkunst hat sie knapp verpaßt, am 5. Juli weiß sie, ob sie an der Leipziger Hochschule angenommen ist.

Der "Eingebildete Kranke" kam bei den rund 130 Kirchenbesuchern gut an. Es gab minutenlangen Beifall und fünf Vorhänge (ohne Vorhang). Auch Ingrid Schneider, die um die Ecke im AKazienweg wohnt, fühlte sich bestens unterhalten. "Die Schauspieler waren lebendig und natürlich, das hat mir gut gefallen. Die anheimelnde Kulisse der Kirche bietet sich unbedingt für ein Theater an."