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Pressestimmen 2006

Märkische Allgemeine Zeitung (Ann Brünink, 29.8.2006 )

Geld ist nicht alles Zeitloser Spaß: Molières Komödie "Der Geizige" in der Dorfkirche Gortz

 

GORTZ "Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts", weiß der Volksmund. Das ist heute nicht anders als im Jahr 1668, als der französische Schriftsteller Jean Baptiste Molière die Prosakomödie "Der Geizige" schrieb. Beeindruckend, mit welcher Tiefenschärfe der Autor die Charakterzüge eines durch und durch geizigen Menschen gezeichnet hat.

Von der Zeitlosigkeit dieser menschlichen Komödie haben sich am Sonntagnachmittag etwa 60 Besucher in der Dorfkirche Gortz überzeugen können, die dort die Aufführung der Gruppe "Theater in der Kirche" besucht haben. Unter der künstlerischen Leitung von Heidi Walier ist eine frische, unterhaltsame Inszenierung entstanden, die nichts von einer verstaubten Klamotte an sich hatte.

Dass es sich bei Geiz weniger um ein Wesensmerkmal als vielmehr um eine seelische Erkrankung handelt, die bei Betroffenen nach und nach die Beziehungen zu allen Menschen in ihrer Umgebung vergiften kann, das hat Molière beeindruckend an der Figur Harpagnon gezeigt. Einfach hervorragend agiert hat Gernot Ernst, dem die Rolle des geizigen Harpagnon wie auf den Leib geschneidert scheint. Seine fatale Liebe zum schnöden Mammon hat derartige Ausmaße angenommen, dass er sogar bereit ist, dafür das Glück seiner Kinder zu opfern. Der alte Knacker will sich mit Mariane - ganz reizend gespielt von Ulrike Kintzel - vermählen. Diese jedoch liebt seinen Sohn Cléante, den Milos Kostic stürmisch-forsch verkörpert. Für den aber hat Harpagnon eine reiche, alte Witwe als Gemahlin auserkoren. Das gleiche Schicksal droht seiner Tochter Elise - entzückend dargeboten von Sita Griem -, die er ohne jegliche Mitgift mit einem alten, reichen Mann verkuppeln will.

Natürlich kommt es zu Verwicklungen, schließlich ist es ja eine Komödie. Und so entwickelt sich alles ganz anders, als Harpagnon es geplant hat. Herrlich, wie beispielsweise die Heiratsvermittlerin Frosine, die Harpagnon für seine Pläne eingespannt hat, versucht, den alten, verknöcherten Geizhals zu verführen, damit er ihr den Ehevermittlerlohn zahlt.

Herrlich schlitzohrig gestaltet Ulrich Klein seine Rolle als Maître Jacques, Faktotum im Hause Harpagnon. Er gießt gern Öl ins Feuer und sorgt so zusätzlich für Verwicklungen. Sein "Gegenspieler" ist Valère, der Harpagnons Tochter Elise heimlich liebt, und deshalb alles versucht, um Harpagnon für sich einzunehmen.

Die Lösung für den Gefühlswirrwarr ist überraschend simpel. Sie lautet: Geld. Cléante ist in den Besitz von Vaters Geldkassette geraten und presst mit dem Geld Mariane frei. Harpagnon erhält sein Geld zurück, Valère erweist sich als reicher Erbe und somit als idealer Ehemann für Elise.

 

Weitere Vorstellungen am Sonnabend, dem 2. September, ab 15 Uhr in der mittelalterlichen Kirche in Rogäsen sowie am Sonntag in der Dorfkirche Krahne.

 

Märkische Allgemeine Zeitung vom 29.08.2006 (Brandenburger Kurier)