Krüssau (Jerichower Land/Sachsen-Anhalt)
Die Kirche
Die Kirche von Krüssau wurde 1713 als barocker Putzbau fertig gestellt. Offenbar ließ man sich von den Resten eines gotischen Vorgängerbaus anregen und versah die Kirche mit spitzbogigen Fenstern und einem schönen Kreuzrippengewölbe. Zur sehenswerten Ausstattung gehören die reich ornamentierte Kanzel, das originale Gestühl, ein klassizistischer Taufstein, ein aufwendig geschnitzter ehemaliger Altaraufsatz und der figürliche Grabstein für Lippolt von Arnim aus dem 16. Jahrhundert. Imposant ist das reich verzierte Wandepitaph für den Kirchenstifter Michael Christoph von Arnim († 1721). Die heutige Kirchengemeinde hat in den letzten Jahren viel Geld und Mühe in die Sicherung des Bauwerks gesteckt und wird sich in den kommenden Jahren um die Erhaltung der wertvollen Ausstattung bemühen. Der Veranstaltungsort
Da die Kirche zu Krüssau technisch dazu nicht geeignet ist, gibt es „Theater in der Kirche“ diesmal als „Theater für(!) die Kirche“ im Schloss. Die freundlichen Gastgeber sind Gisela und Bernd von Arnim, die das „Schloss“ zu Brandenstein gemäß alter Familienkonvention „Haus“ nennen. Das heutige von Armim’sche Haus in Brandenstein wurde 1900 erbaut und in den letzten Jahren aufwendig und liebevoll restauriert. Ein schöner Raum, in dem schon einige Feierlichkeiten und Ausstellungen stattfanden, soll diesmal Theatersaal werden. Pressestimmen zum Auftritt 2008Volksstimme (Stephen Zechendorf 29.9.2008)Gelungenes „Theater für die Kirche“ im Schloss Brandenstein
„Volles Haus und viel Applaus beim „Diener zweier Herren“ Krüssau/Brandenstein. Das Ensemble „Theater in der Kirche“ hat am Freitagabend im Schloss Brandenstein ein Gastspiel gegeben. „Diener zweier Herren“, so der Titel der Komödie des italienischen Dramatikers Carlo Goldoni, das 1746 in Mailand uraufgeführt wurde. Die Regisseurin Heidi Walier vom Ensemble „Theater in der Kirche“ hat – so verrät es das Programmheft – den Original-Text auf die wesentliche Handlung gekürzt und „überlässt es bewusst dem einzelnen Zuschauer, aktuelle Bezüge und sich selbst im Stück wiederzufinden.“ Zunächst aber fanden sich die Besucher am Freitagabend im eigens dazu leer geräumten Salon des Schlosses Brandenstein wieder. Hierhin hatte man den Aufführungsort verlegt. Oder vielmehr: verlegen müssen. Die Erklärung dazu lieferten vor Beginn des Stückes die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Krüssau/Brandenstein, Dietlind von Arnim und ihre Schwägerin Gisela von Arnim als Hausherrin: „Wir haben in unserer Kirche einen schönen Altar, der zwar imposant, aber eben auch unverrückbar ist. Das sorgte im Falle der geplanten Theateraufführung für Platzprobleme.“
Erster Abstecher über die Landesgrenze Aus dieser Not hatten Gisela und Bernd von Arnim, die Bewohner des Schlosses Brandenstein, ihre Räumlichkeiten angeboten. So wurde aus dem „Theater in der Kirche“ eben ein „Theater für die Kirche“. Denn die Spenden aus dem kostenlosen Kulturerlebnis kommen die je zur Hälfte einerseits dem Erhalt der Krüssauer Kirche wie auch der Brandensteiner Kapelle und andererseits dem engagierten Theaterverein zugute, informierte Dietlind von Arnim. Gerne wolle man überdenken, diesem gelungenen Auftakt weitere Kulturdarbietungen folgen lassen, so die Gemeindekirchenratsvorsitzende. Brandenstein war der einzige Abstecher der Theater-Truppe nach Sachsen-Anhalt, freuten sich die Veranstalter, aber man lebe ja schließlich in einer gemeinsamen Kulturlandschaft. Weitere Vorstellungen der diesjährigen Tour finden in Kirchen Berlins, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns statt. Bei solch einem Auftritt hatten die Krüssauer die Künstler erlebt und wegen eines Gastspiels angefragt, erklärte Gemeindekirchenratsmitglied Bernhard Becker. In dem Stück „Der Diener zweier Herren“ geht es um den Diener Truffaldino, der aus der Not heraus gezwungen ist, sich bei gleich zwei Herren zu verdingen. Das führt zu allerlei Verwirrungen und Komplikationen.... Überzeugend und sympathisch spielten Uli Klein (Truffaldino), Nadja Leonhard (Blandina), Gernot Ernst (Kaufmann Pandolfo), Nico Walier (Florindo), Runa Abu Saleh (Beatrice) und Dietmar Jank (Wirt Tebaldo). Zum Abschluss des Theaterstückes gab es neben dem verdienten Applaus des begeisterten Publikums für die Schauspieler auch noch einen zweiten Grund zu Glückwunschbekundungen: Die Regisseurin Heidi Walier hatte Geburtstag. Das Ensemble „Theater in der Kirche“ besteht aus Schauspielschülern und Theaterprofis mit Erfahrungen von großen Bühnen, Film- und Fernsehproduktionen. Hinter den Kulissen arbeiten ehrenamtlich Techniker, Beleuchter und Organisatoren. Der Verein wurde 2004 gegründet, um das kulturelle Leben in dörflichen Gemeinschaften zu pflegen und Kirchen als kulturelle Begegnungsstätten zu erhalten. www.theater-in-der-kirche.de
Volksstimme/Burger Rundschau, 29.9.2008, Stephen Zechendorf |
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