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Als ich 2001 die Idee hatte, die Geschichte der Heiligen Johanna in einer Kirche aufzuführen, lernte ich durch einen glücklichen Zufall Bernd Janowsksi kennen und somit den Verein, der sich für die Restaurierung, Instandsetzung und Rettung der Brandenburger Dorfkirchen einsetzte. Er fand meine Idee interessant und nannte mir gleich ein paar Kirchen, die gerade aus ihrem Dornröschenschlaf geholt wurden. Sie standen da, lädiert durch viele Kriege und jahrzehntelange Witterung. Der Putz bröckelte, der Schwamm machte Probleme, Dach und Fenster waren undicht und oft bedeckte eine dicke Staubschicht wahre antike Schätze. Trotzdem hatten sie etwas sehr würdevolles, nötigten einem Achtung und Respekt ab und wirkten sehr einladend. Mein Theaterherz jubilierte. In dieser Atmosphäre Theater zu spielen war etwas ganz besonderes. Zum Glück kannte ich Gernot Ernst, der begeistert seine vielfältigen Begabungen als Architekt, Musiker, Schauspieler und Bühnentechniker einbringen wollte. Mein theaterbegeisterter Ehemann Rudi Nothelfer übernahm die Finanzierung. Durch die engagierte Zusammenarbeit mit den örtlichen Pfarrern, den Förderkreisen und Gemeindemitgliedern wurde unser Verein „Theater in der Kirche e.V.“ geboren, getragen durch die „genialen Helferlein“ im Hintergrund, ohne deren unermüdliche administrative Arbeit kein künstlerisches Schaffen möglich wäre.
Auch die enorme Einsatzbereitschaft und große Spielfreude der jungen Schauspieler trug dazu bei, dass aus dem anfänglichen Experiment allmählich eine jährliche Tradition mit vielen Aufführungen wurde.
Am Tag der Vorstellung kamen wir am Vormittag an und der kleine Theaterzirkus wurde herzlich mit heißem Kaffee und Schnittchen empfangen. Nachbarn und Vereinsmitglieder – alle packten mit an, halfen beim Fegen, beim Aufbau der Bühne, schleppten Scheinwerfer auf die Empore und legten lange Kabel um Strom in einem Nachbarhaus anzapfen zu können. Eine Stunde vor Beginn der Vorstellung kamen die Damen des Vereins und brachten riesige Bleche voll mit selbstgebackenen, prächtig bunten, himmlisch dufenden, leckeren Kuchen. Es wurde jedes Mal ein schönes kleines Fest. Das Publikum war begeistert und ließ es am Ende kräftig im Klingelbeutel rascheln.
Es war sehr erfreulich zu erleben wie sich Jahr für Jahr wieder etwas verändert hatte. Das Dach war nun dicht, die Fenster erneuert, der Turm wieder da wo er hingehörte, die Glocke bimmelte, die elektrische Versorgung funktionierte und der dicke Staub der Vergangenheit war mittlerweile Schnee von gestern. Zehn Jahre lang haben mich die kleinen Dorfkirchen zum Inszenieren von Klassikern aus der Weltliteratur inspiriert, deren zutiefst menschliche Botschafen sehr gut – wie ich finde – in das kirchliche Ambiente passen.
Zehn wunderbare Jahre!
Zehn Jahre, die uns allen viel Freude gebracht haben und die ich nicht missen mochte, aber auch Zeit, jetzt langsam aufzuhören. Um der Gefahr zu entgehen, mich in den Inszenierungen zu sehr zu wiederholen, beschloss ich, das Projekt in jüngere Hände zu übergeben. Eine Entscheidung, die mir sehr schwer fiel. Aber als ich im Kleistjahr durch den mit vielen Kleistsprüchen geschmückten Bahnhof in Frankfurt/Oder fuhr, fiel mir ein Spruch besonders auf:
Damit war für mich alles gesagt und die Entscheidung, das Projekt an den Nachwuchs zu übergeben fiel mir nun leichter. Elena Brückner, die schon zuvor einige Projekte geleitet hat und im „Theater in der Kirche“ zwei Rollen in – „Der Bär“ und „Der Zerbrochne Krug“ mit Bravour gemeistert hat, wird nun die künstlerische Leitung übernehmen und frischen Wind durch die Dorfkirchen wehen lassen.
In diesem Sinne wünsche ich ihr und dem Verein „Theater in der Kirche“ und den Förderkreisen weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen. Dank an alle, die mit mir die zehn Jahre begeistert mitgestaltet und ermöglicht haben.
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiede ich mich.
Heidi Walier |
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